Harmonie aus Hopfen & Malz. Seit 1734

Ihren Namen verdankt die Lippstädter Brauerei Weissenburg einem geschichtsträchtigen Ereignis :           die siegreiche Schlacht über die Franzosen bei der gleichnamigen Stadt im August 1870.

1920 ging die Brauerei an die in Lippstadt ansässige Brauereifamilie Nies über, die schon seit dem         18. Jahrhundert erfolgreich streng nach dem deutschen Reinheitsgebot von 1516 Bier braute.

50 Jahre später belief sich der Ausstoß auf stolze 245.000 Hektoliter. Sicherlich ein Grund dafür :         Weissenburg Pilsener wird nur aus den besten Zutaten gebraut. Feinster Hallertauer Aromahopfen,          bestes Braumalz aus zweizeiliger Gerste und besonders weiches Brauwasser.

Mitte der 80er Jahre wurde aus den Lippstädtern, die noch Beteiligungen an der Paderborner Brauerei und der Brauerei Isenbeck in Hamm hielten, die Westfälische Privatbrauerei Nies.

Seit 1991 gehört Weissenburg Pilsener zur Warsteiner Gruppe und wird nach gutem altem Originalrezept in Paderborn gebraut.

Wer sich Lippstadt von Osten nähert, dem fällt vor
der Silhouette der Kirchen ein hoher viereckiger, aus
roten Klinkern gemauerter Turm ins Auge. Er gehört
zum Ensemble der Gebäude der ehemaligen Brauerei
Weissenburg, von den alten Lippstädtern liebevoll
die „Burch“ genannt. Heute kennzeichnet auf
ihm eine weithin sichtbare Wetterfahne mit dem
Logo der DSV-Deutsche Saatveredelung, einem der
führenden deutschen Pflanzenzuchtunternehmen
mit internationaler Ausstrahlung deren Firmensitz
auf dem Gelände der alten Brauerei.
Die Brauerei Weissenburg ist ein wesentliches
Symbol für die industrielle Entwicklung in Lippstadt
in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis
zum Ersten Weltkrieg.
Bis in die Jahre 1850 - 1860 war das Brauwesen in
Lippstadt noch geprägt von handwerklich betriebenen
Hausbrauereien, in der Regel verbunden mit anderen
Gewerben, so mit Bäckereien und Gastwirtschaften.
Von den bis 1860 in Lippstadt schon existierenden
Produktionszweigen konnten nur vier ihre Produktion
bis 1870 nennenswert vergrößern, nämlich die
Rauchtabak- und Zigarrenherstellung, die Bierbrauereien
und die Fabrikation von Ziegeln. Die
Brauereien erhöhten ihren Ausstoß von 1860 - 1870
volumenmäßig auf 194 % und wertmäßig auf 211 %.
Alle anderen (Kalkbrennerei, Seifenfabrikation,
Branntweinbrennereien) stagnierten, die Herstellung
von Stärke, Seilen, Leim und Leder war stark
rückläufig auf 70 bzw. 55 %.
Dampfkraft als Antriebsenergie, die Eisenbahn als
wesentliche Infrastrukturmaßnahme sowie die bewusste
Standortansiedlung führten zu neuen Industrien,
wie z.B. die Eisen- und Drahtwerke (Union),
die Artilleriewerkstatt (heute Rothe Erde) und Hella- WMI.
Die Modernisierung mit Hilfe des Dampfbetriebes
erstreckte sich auch auf das Mühlengewerbe, die
Tabakverarbeitung und die Bierbrauerei.
Die nachhaltigste Veränderung fand im Bereich
der Bierbrauerei statt. Am Beginn dieses Strukturwandels
stand die Gründung der Brauerei Weissenburg
am jetzigen Standort vor den Toren der Stadt,
eines von Beginn an mechanisierten und nach kaufmännischen
Gesichtspunkten geführten Betriebes.
Die Gründung erfolgte durch Wilhelm Kleine, der
aus der Branntweinbrennerei (an der Brücke gegenüber
dem Katholischen Krankenhaus gelegen)
stammte und mit seinem Stiefvater Ferdinand Ohm,
einem Bankier aus Dortmund, die Ohm und Kleine
oHG, 1906/07 in eine AG umgewandelt, ins Werk
setzte. Die Grundsteinlegung erfolgte am 4. August
1870, dem Tag, an dem die deutschen Armeen einen
ersten Sieg über das französische Heer in der
Schlacht von Weissenburg im Elsass errangen
nach einem mit 91 verlorenen Offizieren und
1460 verlorenen Soldaten sehr verlustreichen
Gefecht. Im patriotischen Überschwang der damaligen Zeit wurde
der Name „Weissenburg“ dem Firmennamen beigefügt.
Bis etwa Ende des 19.Jahrhunderts wurde
Bier als solches verkauft, also ohne Markenbezeichnung.
Das Bier wurde in Fässern an Verleger verkauft,
die es ihrerseits in Flaschen abfüllten. Durch Mechanisierung, verbesserte
Hygiene und zur Verbesserung der Haltbarkeit verlagerte
sich die Flaschenabfüllung dann an die
Brauereien und mit der Bierflasche verbunden kam
dann die Kennzeichnung mit Markennamen. Für das
Bier aus der Braustätte OHM und KLEINE wurde
das dann die Marke „Weissenburg“.
Während der Anteil der Nahrungs- und Genussmittelindustrie
an den Beschäftigten in Lippstadt
zwischen 1901 und 1909 von 21,3 % auf 9,3 % auch
absolut von 337 auf 195 sank, nahmen die Brauerei
Ohm & Kleine und die Brennerei Kisker eine positive Entwicklung.                              Die Weissenburg hatte 1909 59 Beschäftigte                              
einen Anteil von 30 % an den in der
Nahrungs- und Genussmittelindustrie in Lippstadt tätigen.                          Ihren Absatz hatte sie überregional ausgeweitet
mit Niederlagen in Kassel, Fritzlar, Brilon,
Meschede, Neheim-Hüsten, Elberfeld, Gelsenkirchen,
Münster und Bielefeld.
Nach dem Ersten Weltkrieg ging die Brauerei an
die Familie Nies über. Deren Stammhaus ist das
„Alte Brauhaus“, erworben 1801 von Caspar Nies.
Auf dem heutigen Marktplatz gegenüber befand sich
ein Garten, in dem die Familie Nies 1870 eine
Brauerei errichtete. (Im Übrigen hängt die Errichtung
solcher Brauereien auch eng mit der damaligen
Erfindung von Lindeschen Eismaschinen zusammen die die Vorratshaltunvon Bier in größeren Volumina ermöglichte).                                                                      

      Wohnhaus der Familie war
dann das heutige „Heimatmuseum“.
1920 wurden die Aktien der Brauerei Weissenburg
von der Familie Nies erworben. Der Verkauf
erfolgte aber ohne die damals bestehenden zur
Brauerei gehörigen Malzkontingente, die an die
Herforder und die Gelsenkirchener Glückauf-
Brauereien verkauft wurden, so dass die Familie
Nies nur Gebäude und Einrichtungen der Weissenburg
übernehmen konnte. Sie verlegte nun ihre eigene
Brauerei aus der Innenstadt zur Weissenburg, die
alten Gebäude der Brauerei wurden später in die Berufsschule
umgewandelt und in den 60er Jahren des
20. Jahrhunderts abgerissen (heutiger Marktplatz).
Da entsprechend den Religionsbekenntnissen der
Familien das OHM & KLEINE-Bier „katholisch“
und das NIES-Bier „evangelisch“ war, bleib Kleine
mit im Vorstand der AG, um der Kundschaft gegenüber
zu manifestieren, dass man sich verträgt und
beider Kunden erhalten werden konnten.
1925/26 wurde mit dem Erwerb der Paderborner
Brauerei begonnen. 1930 wurde die Brauerei Tannenbaum
von C. Mattenklodt übernommen, 1938 erfolgte
der Kauf der Brauerei Isenbeck in Hamm.
Infolge des in den 70er Jahren stagnierenden Bier
konsums, damit einhergehender Strukturänderungen
des Absatzes und enormer Fortschritte
in der Automatisierung und Rationalisierung
der Brauprozesse selbst, der Abfüll- und
Verpackungsanlagen und der gesamten Logistik
kam es zu starken Konzentrationsbewegungen
in der gesamten europäischen Brauindustrie.
Dadurch, dass NIES mit den Brauereien
Weissenburg, Isenbeck, Kloster und Paderborn
auf engem regionalen Raum über viele relativ
kleine Braustätten verfügte, war es ein Gebot
der Stunde, diese zu einer modernen Großanlage
mit hohem Mechanisierungs- und Automatisierungsgrad
zusammenfassen. Diese Möglichkeit bot sich, als die
Stadt Paderborn wünschte, dass die Brauerei aus der
City-Lage, wo der Betrieb sich mehr und mehr als
störend auf die Stadtentwicklung auswirkte, in eine
Randlage nach Mönkeloh ausgelagert werden sollte.
Dort nun wurden alle Braukapazitäten der Gruppe
Nies konzentriert und so kam es 1984 auch zur Stilllegung
der Weissenburg in Lippstadt: Am 19. November
1984 erfolgte der letzte Sud.
Im Frühjahr 1985 wurde 34.000 qm umfassende
westliche Teil des Geländes mit den aufstehenden
Gebäuden an die Deutsche Saatveredelung verkauft,
die bis dahin an der nach ihrem Gründungsort
Landsberg/Warthe benannten Landsberger Straße,
aber infolge ihrer starken Geschäftsausweitung unter
zunehmend beengten Verhältnissen domiziliert hatte.
Sie bezog um die Jahreswende 1985/86 das Gelände
an der Weißenburger Straße und baute es in
den Jahren 1987 - 1989 in der heutigen Form aus, indem
Garagen, Heizhaus und Kamin, das Gebäude
der Flaschen- und Fasswaschanlage und die Strohscheunen
abgerissen und durch drei großräumige
Lager- und Maschinenhallen ersetzt wurden. Das
Sudhaus wurde als Baukörper erhalten und durch
Einzug von Etagen und Einbau von Fenstern zu einem
vielfältig nutzbaren Büro- und Verwaltungsgebäude umgewandelt.
Glücklicherweise konnte auch der zum Lippstädter
Stadtbild gehörende Turm erhalten werden, weil
er eine von den umgebenden Gebäuden unabhängige
Statik besaß. Der Turm wurde schon mit dem Bau
von 1870 errichtet, er stand aber weiter nordwestlich
ungefähr am Standort der heutigen Lagerhalle neben
dem Bürogebäude. Er wurde nach dem 2. Weltkrieg
abgerissen und in seiner heutigen Form und Höhe
neu errichtet in der Verbindung zwischen Sudhaus
und Flaschen- und Fasswaschanlage.
Die Probierstube wurde Anfang der 60er Jahre zunächst
sehr einfach, dann in der heutigen Ausgestaltung
eingerichtet und ist seitdem in ihrem Zustand
unverändert erhalten geblieben. Sie war in der Zeit
der Brauerei Weissenburg jeweils auch Ort der Auftaktveranstaltung
der Herbstwoche, zu der sich am
Freitagabend vor der offiziellen Eröffnung am
Sonnabend ein illustrer Kreis aus Mitglieder des
Verkehrsvereins, der Bürgermeister und der Ratsmitglieder
sowie der jeweilige Schirmherr oder sein
Vertreter versammelte.


Quellen:
1. Mündliche und schriftliche Mitteilungen von Dr. Werner
Nies
2. Wolfgang Maron, Gesellschaft und Politik in Lippstadt
1815 bis 1914, Lippstadt 1988
3. Helmuth Graf von Moltke, Gesammelte Schriften und
Denkwürdigkeiten, Berlin 1892

 

Hier finden Sie uns:

Altes Brauhaus Weissenburg
Rathausstrasse 12
59555 Lippstadt

 Inh. Frank Olland

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